Ist das noch „mein“ Unternehmen? – 7 Tipps, um diskret Ihre Marktchancen auszuloten

Ist das noch „mein“ Unternehmen? – 7 Tipps, um diskret Ihre Marktchancen auszuloten

Ist das noch „mein“ Unternehmen? – 7 Tipps, um diskret Ihre Marktchancen auszuloten 1024 507 Claus Verfürth

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel des Unternehmens stellt sich jedem Manager im Laufe seiner Karriere. Besonders in Situationen, in denen in Unternehmen viele und vor allem grundlegende Veränderungen vonstattengehen, kommen die Gedanken nach der eigenen beruflichen Zukunft vermehrt auf.

Es stellt sich die Frage, ob man im aktuellen Unternehmen überhaupt noch an der richtigen Stelle ist: Will oder kann ich die anstehenden Veränderungen mittragen? Werden meine Kompetenzen und Skills weiter benötigt? Inwieweit habe ich im restrukturierten Unternehmen oder in den Zeiten veränderter Geschäftsmodelle noch einen Platz?

Finden sich keine eindeutigen Antworten, die fürs Bleiben sprechen, drängt sich die nächste Frage auf: wo könnte ich meine Karriere besser fortsetzen?

Ist das noch „mein“ Unternehmen? Wandel und Veränderungen bringen Führungskräfte häufiger in die Situation, ihre eigene Position und berufliche Zukunft zu überdenken.

So loten Sie diskret Ihre Marktchancen aus

So verständlich diese Überlegungen auch sein mögen, sind die Gedankenspiele rund um einen möglichen Wechsel nicht ganz unproblematisch. Insbesondere wenn Sie Ihre aktuellen Marktchancen testen wollen, um sich Klarheit über Ihre Optionen und potenziellen Alternativen zu verschaffen. Denn dies muss geschehen, ohne dabei zu deutlich zu machen, dass Sie mit dem Gedanken spielen, vielleicht das Unternehmen zu verlassen.

Zu groß ist das Risiko, dass Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Kolleginnen und Kollegen von Ihrem Wechselwunsch erfahren oder auch nur Gerüchte im Umlauf sind. Ob Sie dann letzten Endes gehen oder nicht – die Auswirkungen auf deren Moral und Motivation ist in den seltensten Fällen positiv. Noch gefährlicher ist es natürlich, wenn Vorgesetzte darüber Kenntnis erlangen.

Demnach ist Vorsicht geboten, wenn es um die Gedanken um Neuorientierung geht. Mit den folgenden 7 Tipps können Sie diskret Ihre Marktchancen ausloten.

GEHEN ODER BLEIBEN?

Sie stehen vor der Frage, ob Sie eine neue Spitzenposition innerhalb oder außerhalb Ihres jetzigen Unternehmens anstreben möchten? Gemeinsam mit Ihnen entwickeln wir eine (neue) Perspektive für Ihre Karriere.

Tipp 1 – Analysieren Sie den Status quo

Es lohnt sich, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich die aktuelle Situation im Unternehmen tatsächlich darstellt, welche Auswirkungen für Sie absehbar sind und welche Optionen Ihnen zur Verfügung stehen. So vermeiden Sie vorschnellen Aktionismus, den Sie eventuell später bereuen könnten.

Fragen Sie sich: Welche Veränderungen stehen an? Inwieweit betreffen sie mich und meine Funktion überhaupt? Welche Kompetenzen bringe ich mit und werden diese noch benötigt? Gibt es erste Anzeichen, dass meine Arbeitgeber mit mir Veränderungen herbeiführen möchte? Je genauer Sie den Status quo analysieren, desto leichter fällt nicht nur Ihre persönliche Entscheidung über Gehen oder Bleiben. Sondern desto einfacher wird es auch, den richtigen Moment zu finden, um die Entscheidung bekanntzugeben.

Tipp 2 – Definieren Sie Ihre Ziele

Zu einem umfassenden Assessment der eigenen Situation gehört selbstverständlich auch der Blick in die Zukunft. Was will ich mittel- bis langfristig beruflich erreichen? Welche Schritte sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen und was ist für mich in der aktuellen Situation überhaupt der richtige nächste Schritt? Benötige ich neues Wissen, um mich strategisch besser positionieren zu können?

Berufliche Umbruchsituationen bieten immer zugleich auch die Möglichkeit, eine Kurskorrektur vorzunehmen oder lange verschobene Pläne wiederaufzunehmen.

Tipp 3 – Bestimmen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal

Eine der wichtigsten Fragen, mit denen Sie bei potenziellen Kandidatengesprächen konfrontiert werden, lautet: Was zeichnet Sie als Topmanager aus und was hebt Sie von Ihrem Marktumfeld ab? Die Frage zielt – bedient man sich des Marketing-Vokabulars – auf Ihren Unique Selling Point ab. Welchen Mehrwert bringen Sie für andere Unternehmen mit und wie können Sie diesen nachvollziehbar darstellen? Dies zu tun ist oft schwieriger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Bei der Beratung von Topführungskräften stellen wir immer wieder fest, dass diese Fragestellung ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit verdient. Es geht also nicht um Generell Management Skills (die werden sowieso unterstellt), sondern um Unterscheidungsmerkmale zu anderen potentiellen Kandidaten für die gleiche Position

Tipp 4 – Reaktivieren Sie behutsam Ihr Netzwerk

Die Bedeutung von Netzwerken bei der Besetzung von Spitzenpositionen ist nicht zu unterschätzen. Gleichzeitig fehlt vielen Topmanagern schlicht die Zeit, um sich regelmäßig ums Netzwerken zu kümmern. Ein behutsames (Re-)Aktivieren der vorhandenen Netzwerkkontakte ist darum in Situationen der Neuorientierung angeraten. Gewinnen Sie – gegebenenfalls in einem bestehenden Netzwerk – neue Kontakte hinzu und nehmen Sie Kontakt zu Personalberatern auf.

Tipp 5 – Steigern Sie Ihre Sichtbarkeit

Ganz unabhängig, ob Sie sich mit dem Gedanken nach einem möglichen Wechsel beschäftigen – Sichtbarkeit in den Netzwerken ist heute wichtiger denn je. Um Ihre Marktchancen auszutesten und zu erhöhen, können Sie die mediale Aufmerksamkeit nutzen, die Ihnen als Repräsentant Ihres Unternehmens und als Entscheidungsträger zukommt.

Insbesondere lege ich Ihnen trotz der deutlich gestiegenen Bedeutung digitaler Plattformen (wichtig: Sie sollten auffindbar sein, wenn jemand nach Ihren Kompetenzen sucht) auch analoge Formate ans Herz. Neben der Präsenz in den Social Media bieten vor allem Auftritte bei Tagungen den Anlass, Gespräche zu führen und neue Kontakte hinzuzugewinnen.

Tipp 6 – Stellen Sie die Lieferfähigkeit Ihrer Unterlagen her

Wenn sich im Rahmen des Auslotens neuer Möglichkeiten und Optionen tatsächlich eine Perspektive eröffnet, müssen Sie schnell und souverän handeln können. Stellen Sie darum bereits im Vorfeld die Lieferfähigkeit Ihrer Unterlagen für interessierte Ansprechpartner her.

Auch wenn Ihr Wechselwunsch reift, denken Sie bei Ihrem Handeln immer daran, die Referenzfähigkeit bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber zu erhalten. Ich halte unter anderem aus diesem Grund, die letzten 100 Tage als Topmanager für die entscheidenden.

Tipp 7 – Suchen Sie den Austausch mit einem neutralen Sparringspartner

Wenn große Entscheidungen anstehen, geht nichts über den persönlichen Austausch mit einer Person des Vertrauens. Zugleich ist es wichtig einen Sparringspartner zu konsultieren, der sich im Markt und mit den Mechanismen auf dieser Ebene auskennt. Aufgrund der Sensibilität der Fragestellung sollten diese Gespräche in einem geschützten Rahmen ablaufen und in jedem Fall mit einer Person außerhalb des eigenen Unternehmens stattfinden.

Ein gelungener Wechsel braucht Diskretion und Souveränität

Diskretion sollte bei einem aufkommenden Wechselwunsch stets die oberste Priorität haben. Wenn Sie aktiv werden und gegebenenfalls auch außenstehende Personen einbinden wollen oder müssen, sollten Sie daher sehr behutsam vorgehen. Im schlimmsten Fall erfährt Ihr jetziger Arbeitgeber zur Unzeit davon und wird von seiner Seite unangenehme Fragen stellen.

Der Wechsel aus einer souveränen und gesicherten Position heraus ist einem unfreiwilligen Wechsel unter allen Umständen vorzuziehen.

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[Bildnachweis: © Gettyimages/Rainer Berg]

Claus Verfürth

Claus Verfürth

Claus Verfürth ist Managing Director und Partner bei The Boardroom, dem von Rundstedt Beratungsbereich für Top-Manager.

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