Jobwechsel im Topmanagement

Jobwechsel im Topmanagement

Jobwechsel im Topmanagement 1024 683 Claus Verfürth

Je höher Ihre Position im Unternehmen ist, desto schwieriger gestaltet sich der Jobwechsel. Dabei ist es irrelevant, ob Sie sich auf eigenen Wunsch oder gezwungenermaßen verändern (müssen). Fakt ist: Spitzenpositionen in Unternehmen sind rar, in der Regel nicht öffentlich ausgeschrieben und werden oft über Kontakte und Netzwerke besetzt. Die Entscheider der Unternehmen wissen dies und werden Ihnen aus einer mehrmonatigen „beschäftigungslosen“ Übergangszeit keinen Strick drehen.
Aber: wieviel Zeit darf ins Land gehen? Und ab wann wird es sich für Sie nachteilig auswirken, noch immer keinen neuen Job zu haben?

Schnellschüsse vermeiden

Rückblickend ist die zeitliche Dauer Ihrer beruflichen Umbruchsituation nicht kriegsentscheidend. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass Sie die richtige Position für sich gefunden haben. Und dies bedeutet, dass Ihre persönlichen Ziele mit den Unternehmenszielen in Einklang stehen.

Dieser Prozess lässt sich jedoch nicht binnen weniger Wochen realisieren. Unsere Beratungserfahrung zeigt, dass es in der Regel neun Monate dauert bis unsere Top-Klienten in ihren neuen Job einsteigen. Planen Sie also diese Zeit für die Jobsuche ein. Auch eine zwölfmonatige Übergangszeit ist keine Seltenheit.

Auf Executive Ebene ist es unproblematisch ein Jahr ohne Job zu sein.

Sondieren Sie zeitnah Ihre Möglichkeiten

Doch auch wenn Sie sich nicht übereilt für eine neue Position entscheiden sollten, raten wir dringend davon ab, den Jobwechsel durch eine längere Pause unnötig in die Länge zu ziehen. Denn sobald es mehr als 15 Monate werden, erreichen Sie einen kritischen Punkt. Dann werden sich potentielle Arbeitgeber natürlich die Frage stellen, weshalb Sie noch immer noch ohne neuen Job sind. Und der Verdacht wird laut: mit Ihnen scheint irgendetwas nicht zu stimmen.

Zwischen zwei Jobs

Selbstständigkeit und Gründungsmodelle für Topmanager

Gehen Sie am besten sofort in medias res und aktivieren Sie Ihr Netzwerk. Idealerweise pflegen Sie Ihr Netzwerk jedoch kontinuierlich und nicht erst im Ernstfall. Wenn Sie gefühlt von heute auf Morgen Ihre Position verlieren, haben Sie keine Zeit mehr, Schritt für Schritt Kontakte aufzubauen. Dann müssen Sie mit den bis dato vorhandenen Kontakten in Ihrem Netzwerk arbeiten. Denn: niemand kann Ihnen heutzutage noch „einen Job besorgen“. Obwohl es offensichtlich immer noch Menschen gibt, die davon überzeugt sind:

Vor einigen Wochen sagte mir ein Klient, er kenne den Vorstandsvorsitzenden eines der größten deutschen Konzerne. Dieser werde ihm sicherlich zeitnah einen neuen Job besorgen. Aber: genau das wird besagter Vorstandsvorsitzender nicht tun können – schon allein aus Compliance-Gründen. Diese Zeiten sind längst vorbei.

Wie stellen Sie die Weichen, um im Falle eines plötzlichen Ausscheidens gut gewappnet zu sein und auf ein tragfähiges Netzwerk zugreifen zu können?

Auch ohne konkreten Bedarf den Marktwert testen

Testen Sie immer mal wieder Ihren eigenen Marktwert.
Strecken Sie unternehmensintern wie extern Ihre Fühler aus, um eine realistische Einschätzung zu erhalten. So können Sie eigene Interessen überdenken und eventuell sogar neue Bereiche erschließen. Nutzen Sie diesen positiven Nebeneffekt aktiv für einen etwaigen Jobwechsel, indem Sie:

  • Alleinstellungsmerkmale der eigenen Person herausarbeiten
  • Strategien für den Wiedereinstieg erarbeiten und umsetzen
  • Qualifizierende Weiterbildungen in Anspruch nehmen, um Ihr berufliches Profil zu schärfen
  • Schon in ruhigen Zeiten Ihr Netzwerk ausbauen und Verbündete suchen.
  • Gemeinsam mit diesen Ihre Situation reflektieren und konkrete Schlussfolgerungen daraus ziehen, die Sie beruflich weiterbringen.

Zeit ist Geld

Positionen auf Executive Ebene warten nicht an jeder Ecke auf Sie. Weder auf Sie, noch auf andere. Letztlich sind die interessanten Positionen schlichtweg besetzt, oder Vakanzen nicht öffentlich sichtbar. Selbst im Falle der Restrukturierung eines Unternehmens, in das Sie einsteigen möchten und können, kann der interne Prozess der Einstellung gern bis zu sechs Monaten dauern.

Legen Sie sich frühzeitig ein solides finanzielles Polster an, dann kann Ihnen während der beruflichen Umbruchphase wenig passieren.

Sichern Sie sich daher frühzeitig finanziell ab – insbesondere für den Fall eines plötzlichen Ausscheidens. Finanzielle Sorgen behindern Sie, einen klaren Kopf für die Jobsuche zu bewahren. Sie führen schlimmstenfalls dazu, dass Sie übereilt ein Jobangebot annehmen, das weder Ihren Vorstellungen, noch Ihren Idealen entspricht – und Sie noch unzufriedener macht. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Wünsche und Ziele zu hinterfragen. Suchen Sie sich einen Gesprächspartner auf Augenhöhe. Und: gehen Sie in die Kommunikation mit Ihrem Netzwerk.

Die positiven Seiten eines Jobwechsels

Sobald Sie alle erforderlichen Aktivitäten fürs erste angestoßen haben, sollten Sie sich auch bewusst Zeit für sich und Ihre Familie nehmen. Planen Sie gemeinsam eine größere Urlaubsreise und versuchen zur Ruhe zu kommen. Widmen Sie sich wieder Ihren Hobbies, treffen Sie Freunde und Bekannte, die nicht zwingend aus Ihrem beruflichen Umfeld stammen.

Berufliche und private Zufriedenheit gehen häufig Hand in Hand. Daher ist ein Jobwechsel eine gute Möglichkeit, die eigenen Wertvorstellungen zu überdenken und auch auf beruflicher Ebene Veränderungen anzustoßen. All dies benötigt Zeit, die Sie sich, im Rahmen der Möglichkeiten, nehmen sollten – ohne Sie zu sinnlos verstreichen zu lassen.

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[Bildnachweis: @Fotolia – Jacob Ammentorp Lund]

Claus Verfürth

Claus Verfürth

Claus Verfürth ist Managing Director und Partner bei The Boardroom, dem von Rundstedt Beratungsbereich für Top-Manager.

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