Vom Topmanager zum Unternehmer

Für wen eignet sich der Schritt in das Unternehmertum?

Vom Topmanager zum Unternehmer

1024 576 Dr. Wilhelm von Trott

Wenn Topmanager heute ein Unternehmen verlassen, geschieht dies aus sehr unterschiedlichen Gründen. Viele Manager sehen einen beruflichen Wechsel zu Recht als große Chance, ihr Leben zu verändern. Sie strukturieren ihre beruflichen Aufgaben neu, oder wagen einen mutigen Karrieresprung. Im Vordergrund steht dabei meist, sich selbst neu zu fordern. Oft kommen Topmanager an dieser Stelle in die Versuchung, den Sprung ins Ungewisse zu wagen und sich als Unternehmer selbstständig zu machen. Einen guten Einstieg bietet zum Beispiel die Unternehmensbeteiligung. Aber welche Qualitäten und Eigenschaften machen einen guten Senior Executive zu einem erfolgreichen Unternehmer?

Einen beruflichen Neustart wagen

Die berufliche Neuorientierung ist besonders einschneidend, wenn Sie bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Das Management-Level ist erreicht und Sie sind es gewohnt, entsprechende Verantwortungen zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.
Entscheidet sich ein gestandener Topmanager dazu, sich Neuem zu widmen, überwiegt das Gefühl des Aufbruchs – eine neue Welt die es zu entdecken und zu gestalten gilt, der Wunsch, nach unbekannten Aufgaben, an denen man sich messen, aber auch wachsen kann.

Der feine Unterschied zwischen Topmanager und Unternehmer

Topmanager erzählen mir in dieser Phase häufig, wenn ich sie nach ihren Skills und Kompetenzen befrage, sie hätten ein „Unternehmer-Gen“ oder sie seien „unternehmerisch geprägt“. Hier lohnt es sich einen Augenblick inne zu halten und sich klar zu machen, was das wohl heißt, ein Unternehmer zu sein, und welche Konsequenzen sich daraus ableiten. Das Unternehmer-Sein ist geprägt von der Gabe, ein Unternehmen sicher und erfolgreich führen zu können. Dazu gehören eine Reihe von Kompetenzen die viele Topmanager beherrschen und in der Vergangenheit bewiesen haben.
Das Wort Unternehmer leitet sich von dem Verb unternehmen ab, was so viel heißt wie etwas anpacken und es drückt, ganz nebenbei, auch einen Neubeginn aus.
Der klassisch angestellte Topmanager unterscheidet sich vom Unternehmer dahingehend, als dass der Unternehmer eine neue Geschäftsidee wittert, diese verfolgt, investiert und darauf aufbaut. Der angestellte Topmanager wird sich in einer solchen Situation jeweils die Autorisierung und das Kapital von dem eigentlichen Unternehmer, dem Inhaber holen müssen.

Beteiligung an einem Unternehmen

Ein weiteres Kriterium, welches Unternehmer von unternehmerisch denkenden und handelnden Topmanager wesentlich unterscheidet ist: Das Risiko!
Nur wer auf eigenes Risiko ein Unternehmen aufbaut und nur wer den Mut hat, sein Hab und Gut für eine Idee einzusetzen, kann sich zu Recht unternehmerisch handelnd nennen. Mut und Risikobereitschaft sind die unbedingten Voraussetzungen und Merkmale des Unternehmers.
Heute sind die Chancen und Möglichkeiten, sich an Unternehmen zu beteiligen, um ein vielfaches gestiegen. Im Zuge der Digitalisierung entstehen immer mehr neue Unternehmensformen, für die erfahrene Manager gesucht werden, die sich mit Know-how und/oder Kapital an dem Unternehmen beteiligen.

Habe Mut, unternehmerisch zu handeln! So könnte der Kategorische Imperativ unserer Zeit lauten.

Die Freiheiten des Unternehmers

Für die meisten Top Senior Executives stellt sich nicht mehr die existenzielle Frage der Grundversorgung. Vielmehr steht die Frage der Sinnhaftigkeit des Tuns im Vordergrund und oft auch die Suche nach dem Beweis dafür, ein echter Unternehmer zu sein – der Wille, Mut zu zeigen und Risiko auf sich zu nehmen. Dieser Weg kann zu neuen, ungeahnten Erfolgen führen. Manchem Topmanager fehlt genau diese Freiheit der Unternehmer, um sich beruflich und professionell zu verwirklichen.

Ich selbst habe, nach dem Ausscheiden aus der Geschäftsführung eines großen mittelständischen Unternehmens, mit einem Start-up bei null begonnen und habe die Möglichkeit, alles neu gestalten zu können, genutzt. So habe ich Marktchancen über den Aufbau eines neuen Unternehmens nutzen können, ohne quälende Strategie-Runden auf höchster Ebene zu drehen. Dem gegenüber steht aber auch die Gewissheit, dass am Anfang eines Jahres nicht alle Uhren wieder auf null gestellt werden. Das bereits Geschaffene stellt einen Wert an sich dar. So ist es verhältnismäßig leicht, das eigene Unternehmen zu gründen. Aber die Schwierigkeiten, dieses auch erfolgreich zu führen, liegen  im Detail:

Man muss sein berufliches und persönliches Netzwerk pflegen, ausbauen und lukrative Gelegenheiten nutzen!

Die Unternehmensbeteiligung als Sprungbrett nutzen

Topmanager beschäftigen sich im Vorfeld häufig mit der Frage, ob die Karriere stagniert, sobald sie ihr eigenes Unternehmen gegründet haben. Meine Antwort darauf lautet: Nein. Ich habe einige Fälle erlebt, in denen der Schritt, das eigene Unternehmen erfolgreich zu gründen, später zum Ruf in den Vorstand eines Konzerns geführt hat.

Bei aller Begabung als Unternehmer ist es zwingend erforderlich, um erfolgreich zu bleiben, die Begeisterung und Hingabe für die Aufgabe nicht zu verlieren. Topmanager, die in der kritischen Phase der beruflichen Neuorientierung stehen, sollten sich die Zeit und die Gespräche nehmen, um sich selbst ehrlich die Frage zu beantworten: Fühle ich mich nur wie ein Unternehmer? Oder bin ich ein Unternehmer? Eine ehrlich Antwort auf diese Fragen wird darüber bestimmen, ob sie mit Freude Ihren neuen beruflichen Weg meistern werden.

Sich wie ein Unternehmer zu fühlen heißt nicht, auch tatsächlich ein Unternehmer zu sein.

[Bildnachweis: ©Fotolia – Robert Kneschke]

Dr. Wilhelm von Trott

Dr. Wilhelm von Trott

Dr. Wilhelm von Trott zu Solz ist Senior Executive Consultant bei The Boardroom. Den grössten Teil seiner beruflichen Karriere verbrachte von Trott in Pharmaunternehmen. Zunächst bei Bayer im Bereich Tiergesundheit, später im Corporate Marketing in der Unternehmenszentrale.

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