Reputation von Führungskräften – Karrieretreiber oder Karrierekiller

Reputation von Führungskräften – Karrieretreiber oder Karrierekiller

Reputation von Führungskräften – Karrieretreiber oder Karrierekiller 1024 372 Christian Scherg

Von Äpfeln und Erdnüssen

Steve Jobs war ein genialer Soziopath an der Spitze von Apple, der die Erfahrung seiner LSD-Trips in einzigartige Produkte umsetzte, die Dellen ins Universum schlugen. Deutschbanker Josef Ackermann hingegen vermittelte den Eindruck eines weltfremden Rechenschiebers, dessen Victoryzeichen nicht nur der gesamten Pressewelt auf die „Peanuts“ ging. Aber ist diese Wahrnehmung allein eine Frage des Charakters? Ist jeder Manager „seiner eigenen Reputation Schmied“ oder spielt die Branche  und die Wahrnehmung des Unternehmens  ebenfalls eine  Rolle für die Reputation einer Führungskraft?

Die Antwort liegt auf der Hand: Führungskräfte und Unternehmen hängen symbiotisch aneinander, wenn es um die Wahrnehmung und den (guten) Ruf geht. Das Unternehmen mit seiner gesamten Marketing- und PR-Maschinerie definiert die Führungskraft. Gleichzeitig definiert sich die Führungskraft über seine Macht, den Einfluss und die Inhalte, die er oder sie aus dem Unternehmen heraus zur Verfügung hat. Gut für das Unternehmen, gut für die Führungskraft, die als Kapitän oder erster Offizier bei ruhigem Seegang identitätsstiftend und für alle sichtbar auf der Brücke steht.

Wer allerdings denkt, dass ein solcher Treueschwur ewig hält, stellt heutzutage schnell fest, dass er mit „Äpfeln und Erdnüssen“ gehandelt hat. Trennt sich das Unternehmen von seiner Führungskraft, bricht die Unterstützung bestenfalls von einem Moment auf den anderen weg. Schlimmstenfalls richtet sich der kommunikative Machtapparat  sogar gegen seine ehemalige Führungskraft. Dieser ist jetzt abgeschnitten von seiner Crew und wird in vielen Fällen sogar von dieser noch medial über die Planke geschickt.

Führungskräfte und Unternehmen hängen aneinander, wenn es um die Wahrnehmung und den Ruf geht.

Reputationsmanagement als Schwimmweste für den Ernstfall

Kurz vor dem Aufprall im tiefen Meerwasser geht  den meisten Topmanagern ein Gedanke durch den Kopf: Was hätte ich tun können? Hätte ich dies verhindern können?

Der Gang über die Planke hat  vielfältige  Gründe, dass man sich diese Frage in der kurzen Zeit des freien Falls kaum gänzlich beantworten kann. Entscheidend ist vielmehr, dass es definitiv ratsam gewesen wäre, als Führungskraft zuvor bereits unter der Kapitänsuniform eine Schwimmweste anzulegen. Nur für den Fall des Falles.

Im Strudel negativer Berichterstattung

So retten Topmanager ihren guten Ruf

Diese Schwimmweste von der ich spreche, hat eine spezielle Bezeichnung. Sie lautet: Reputationsmanagement.

Zum Verständnis: Für Sie als Führungskraft ist eine reputative Abhängigkeit vom aktuellen Unternehmen eine  große Gefahr ­– sie kann im Falle einer Trennung für Sie existenzvernichtend sein. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass Sie möglicherweise einer der ersten sind, der  gehen muss, wenn das Unternehmen in Schieflage gerät. Scapegoating, also jemanden – in dem Fall Sie – zum Sündenbock zu machen, ist oft eine Strategie der Unternehmen, um  einen größeren (Reputations-)Schaden von der Organisation abzuwenden.

Das Opferritual

Dabei ist es oft irrelevant, ob Sie einen guten Job gemacht haben oder wirklich Schuld an der Misere sind. Es ist vielmehr wie beim Schach: Man muss manchmal Figuren opfern, um im Spiel zu bleiben – und das sind nicht immer nur Bauern. Dass Sie auf dem Spielbrett für den weiteren Verlauf der Partie am wenigsten gebraucht werden, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Dieser Zug lässt natürlich auch Ihre Gesamtleistung in einem schlechten Licht dastehen und relativiert  die positiven  Eindrücke aus der Vergangenheit. Es ist wie bei einem Fußballspiel: Gut gespielt, aber am Ende hat es nicht gereicht.

Die Schwimmweste von der ich spreche, hat eine spezielle Bedeutung. Sie lautet: Reputationsmanagement.

Negative Berichtserstattung nach der Trennung

Sie stehen also draußen vor dem Stadion im Regen vor den Trümmern Ihrer Karriere. Sie sind den Meinungen  Ihres Umfelds und der Öffentlichkeit schutzlos ausgeliefert. Das Wort hat allein das Unternehmen – ein Ohr für Sie hat niemand. Am deutlichsten zeigt sich dieses Ungleichgewicht im Internet mit seiner immens hohen Dynamik, Relevanz und Sichtbarkeit. Hier schaut jeder Personaler hinein – lange bevor Sie persönlich zum Vorstellungsgespräch geladen werden und die Chance haben, Sachverhalte zu erklären.

Ohne ein Team können Sie nur zuschauen, wie Pressemitteilungen und Berichterstattungen mit entsprechenden Interpretationen zu Ihren Ungunsten das Netz sukzessive überfluten. Sie haben dem nichts entgegenzusetzen. Sie strampeln und kämpfen stattdessen alleine im eiskalten Wasser ohne Schwimmweste dagegen an, nicht von falschen Tatsachen und negative Artikel hinabgezogen zu werden. Diese schießen ungebremst auf die ersten Plätze der Suchmaschinen zu Ihrem Namen, verbleibend  als hartnäckige Flecken auf Ihrer Vita.

Jeder potentielle neue Arbeitgeber findet Sie bei Google auf den ersten (und dann auch letzten) Blick. Ihre Karriere knirscht und knickt und Sie müssen aufpassen, nicht vollends entwurzelt zu werden.

Reputation von Führungskräften – Ein starker Halt für stürmische Zeiten

Eine gute Reputation ist die, die selbstbestimmt, kontrollierbar und vor allem vom Unternehmen weitgehend unabhängig ist. Diese muss in ruhigen Zeiten angelegt und gepflegt werden. Ein kontinuierliches Reputationsmanagement kann Ihr Rettungsring in beruflichen Umbruchsphasen sein.

Gute Schwimmflügel wären eine eigene Webseite, eine Art Web-Visitenkarte. Diese lässt sich leicht auf den eigenen Namen optimieren und erscheint in der Regel bei einer reinen Namensuche recht weit oben in den gängigen Suchmaschinen wie Google & Co..

Zusammen mit einem thematisch ausgerichteten Blog, der die Möglichkeit bietet Ihre Fachexpertise zu positionieren, wird daraus eine geeignete Schwimmweste. Durch die regelmäßige Pflege lassen sich gute Platzierungen erreichen und geben Ihnen im Meer der Berichterstattung dauerhaft Stabilität. Dazu ein paar Personenprofile, die ebenfalls gut listen und Sie konditionell stärken, um der medialen Flut etwas entgegenzusetzen.

Die Verlinkungen der Webinhalte untereinander sind der Verschluss, der Ihre Schwimmweste fest zusammenhält. Ein eigener Wikipedia-Artikel, sofern die Kriterien erfüllt sind, ist der Ritterschlag in der Online-Positionierung und garantiert beste Sichtbarkeit für die Rettungskräfte in der schier endlosen Weite des digitalen Ozeans.

Eine gute Reputation ist selbstbestimmt, kontrollierbar und vor allem vom Unternehmen weitgehend unabhängig.

Das ist ein  wichtiger Schritt, um fremde und vor allem negative Inhalte auf Ihrem Weg an die Spitze der Suchmaschinen aufzuhalten oder zumindest so stark abzubremsen, damit Sie in den Wellen nicht untergehen.

Doch auch analoges Netzwerken darf im digitalen Zeitalter nicht vernachlässigt werden. Dabei helfen unter anderem vertrauensvolle Kontakte zu Vertretern der klassischen Medien.

Diese Netzwerke sollten Sie frühzeitig knüpfen und langfristig sowie sorgfältig pflegen.. Ziel muss sein, ein starkes Vertrauensverhältnis zu Journalisten aufzubauen, damit Sie auch dann angesprochen werden und Gehör finden, wenn Sie offiziell nicht mehr zum Team gehören.

Hier wird die Notwendigkeit einer soliden  Online-Präsenz deutlich, auf die auch klassischen Medien zurückgreifen. Wichtig und entscheidend ist dabei die Kohärenz von Online- & Offline-Inhalten.

Auf zu neuen Ufern – Ein Fazit

Mit dieser „Reputationsmanagement-Schwimmweste“ werden Sie trotzdem schwimmen müssen, wenn Sie Ihr Unternehmen über die Planke laufen lässt. Es wird hart sein, aber Sie halten länger durch und haben eine viel größere Chance, nicht unterzugehen und unversehrt aus dem Strudel der Ereignisse geborgen zu werden oder sogar mit entsprechender professioneller Hilfe und eigener Kraft das nächste Ufer zu erreichen. Hier wartet schließlich ein neues Unternehmen, eine neue Aufgabe und ein neuer Schritt in Ihrer Karriere auf Sie: Ein weiterer positiver Baustein Ihrer ganz persönlichen Reputation.

revolvermaenner.com

[Bildnachweis: © shutterstock – marvent]

Christian Scherg

Christian Scherg

Christian Scherg ist Geschäftsführer der 2007 von ihm gegründeten REVOLVERMÄNNER® GmbH.

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