Mit Networking zum neuen Chefposten

Mit Networking zum neuen Chefposten

Mit Networking zum neuen Chefposten 1024 683 Claus Verfürth

Top-Führungskräfte gelten gemeinhin als Networking-Profis, die über ihre vielfältigen Kontakte schnell eine Anschluss-Position finden, sollten sie ihren Stuhl einmal räumen müssen.

Jedoch zeigt sich immer wieder, dass mit der Position auch die Kontakte weg sind und von den sicher geglaubten Netzwerken nur sehr wenige eine Belastungsprobe bestehen. Die Ursache: Oft unterscheiden Manager nicht zwischen positionsbedingten und persönlichen Netzwerken.

Wenn mit der Position auch das Netzwerk weg ist

Top-Führungskräfte sind gern gesehene Redner bei Kongressen und Konferenzen, beliebte Gäste bei gesellschaftlichen Events wie Wohltätigkeitsveranstaltungen und Galas.

Erst wenn diese Einladungen nach dem Verlust der Spitzenposition ausbleiben, wird vielen schmerzlich bewusst, dass sie nur aufgrund ihrer Funktion und der damit verbundenen Einflussmöglichkeiten ein geschätzter Netzwerkpartner waren, nicht aufgrund ihrer Person.

Gute Kontakte sind entscheidend für die Fortsetzung der Karriere

Spitzenpositionen werden zum größten Teil über Netzwerke oder Kontakte, d.h. den verdeckten Stellenmarkt, besetzt. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Zeiten, in denen über Freundschaften und „alte Weggefährten“ Stellen besetzt wurden, sind mittlerweile vorbei.

In der Tat kann es heute aus Compliance-Gründen schon eher ein Hindernis sein, im anvisierten Unternehmen einen sehr guten Bekannten auf Entscheider-Ebene zu haben. Aber darum geht es beim Netzwerken auch nicht.

Die Zeiten, in denen über Freundschaften und „alte Weggefährten“ Stellen besetzt wurden, sind mittlerweile vorbei.

Es geht darum, Kontakte zu pflegen, Informationen auszutauschen, seinen Kontaktpartnern zu dienen und vielleicht auch einen gewissen Informationsvorsprung zu haben, um diesen auch in der Phase der beruflichen Neuorientierung nutzen zu können.

Für das Suchen und Finden einer neuen Top-Position sind die entscheidenden Fragen: „Welche direkten Kontakte zu Entscheidern habe ich? Und wen kenne ich, der wiederum Kontakte zu Entscheidern hat?“

Keine Angst vor der Aktivierung

Viele Topmanager sehen sich nach dem Verlust ihrer Position in der Rolle eines Bittstellers und scheuen sich, aus dieser vermeintlich schwächeren Position auf bestehende Kontakte zuzugehen. Eine häufige Befürchtung lautet: „Was denken die denn von mir, wenn ich mich jetzt melde, wo ich Hilfe brauche?“

Viele Topmanager sehen sich nach dem Verlust ihrer Position in der Rolle eines Bittstellers.

Um es klar zu sagen: Der Angesprochene denkt jetzt das Gleiche, was der Topmanager selbst dachte, wenn er in der Vergangenheit angerufen wurde: „Der ruft jetzt nur an, weil er Hilfe braucht bzw. einen neuen Job sucht.“ Aber das ist völlig unerheblich.

Noch deutlicher ist die Hemmnis, wenn es sich um ältere Kontakte handelt, die man über eine lange Zeit nicht gesprochen hat oder bei denen man sich nicht sicher ist, inwieweit sie sich erinnern. Diese Angst gilt es hinter sich zu lassen.

Ich empfehle Top-Managern, sich in dieser Situation vor Augen zu halten, dass die schlimmste Reaktion, auf die sie treffen können, ein „Nein“ ist. Und selbst das ist sehr unwahrscheinlich.

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen durchaus zu helfen bereit sind, wenn sie um einen Rat gebeten oder als Experten für eine bestimmte Fragestellung oder eine Branche angesprochen werden. Nur darf die Erwartungshaltung nicht zu hoch formuliert sein, weil dies mehr abschreckt als zur Unterstützung führt.

Es geht also vor allem darum, „den inneren Schweinehund“ zu überwinden und aktiv zu werden. Gelingt dies, ist der erste Schritt zur neuen Position bereits gemacht.

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen durchaus zu helfen bereit sind, wenn sie um einen Rat gebeten oder als Experten für eine bestimmte Fragestellung oder eine Branche angesprochen werden.

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[Bildnachweis: © gettyimages.de / urbancow]

Claus Verfürth

Claus Verfürth

Claus Verfürth ist Managing Director und Partner bei The Boardroom, dem von Rundstedt Beratungsbereich für Top-Manager.

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