Erfolg im Zeitalter der Neiddebatten – Wie Topmanager mit ihren Erfolgen umgehen sollten

Erfolg im Zeitalter der Neiddebatten – Wie Topmanager mit ihren Erfolgen umgehen sollten

Erfolg im Zeitalter der Neiddebatten – Wie Topmanager mit ihren Erfolgen umgehen sollten 1024 683 Claus Verfürth

Der Wille, Erfolg zu haben und Erfolge anzustreben ist für Führungskräfte eine Selbstverständlichkeit. Sehr viel weniger selbstverständlich ist die Frage, ob und wie Erfolge öffentlich gezeigt werden sollten oder dürfen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die Transparenz zunimmt und Topmanagern immer mehr mediale Aufmerksamkeit zuteil wird. Besonders deutlich wird dies an den immer wiederkehrenden Neiddebatten.

Warum eine Rolex für einen „Skandal“ sorgte

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Fälle von Neiddebatten. Bei Personen, die aus dem einen oder anderen Grund im Licht der Öffentlichkeit stehen und sich mit vermeintlichen Statussymbolen zeigen, werden oft reflexartig Fragen nach der Angemessenheit gestellt oder danach, ob der Erfolg wirklich verdient sei.

Dabei spielt es keine Rolle, was eine Rolex tatsächlich kostet und ob – wie im Falle der SPD-Politikerin Sawsan Chebli – diese Person sich diese einfach leisten will und kann. Das Beispiel zeigt also vielmehr, dass es hier nicht wirklich um Erfolge, Reichtum oder deren Repräsentation geht. Es entbrennt eine Diskussion, ob man so etwas darf.

Wie sehr die reflexartig geführten Neiddebatten aus dem Ruder gelaufen sind, zeigt der Aufregung über eine Rolex.

Übersehen bei den Neiddebatten wird dabei auch der positive Aspekt, den Neid auch haben kann. Unsere Kultur belegt den Neid generell als etwas Negatives, übersieht jedoch, dass Neid auch einen Ansporn liefern kann, das zu erreichen, was andere bereits geschafft haben. Hier gilt nicht selten das Sprichwort: Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich hart erarbeiten.

Der Abfindungs-Komplex

Debatten wie diese werden zudem in einer geradezu erstaunlichen Regelmäßigkeit und einem sich immer gleichartig wiederholenden Schema geführt. Bei fast jedem öffentlich diskutierten Ausscheiden eines Managers vor Ende seiner Vertragslaufzeit wird eine Debatte ausgelöst, wie hoch denn wohl die Abfindung sein möge, die dieser Manager bekommt.

Ungewollter Ausstieg

5 Sätze reichen zur Kommunikation im beruflichen und im sozialen Umfeld

Völlig übersehen wird dabei die Tatsache, dass gerade bei befristeten Verträgen in den allermeisten Fällen gar keine Abfindung gezahlt wird. Vom Unternehmen werden lediglich die vertraglich zugesicherten Zahlungen geleistet, auf die ein Manager ohnehin Anspruch hätte. Nur möchte eben das Unternehmen die Arbeitsleistung des Managers nicht mehr annehmen.

Nicht selten hält sich – trotz Verlust des Arbeitsplatzes – das Mitgefühl für den unfreiwillig Ausscheidenden in Grenzen. Ganz im Gegenteil: es entfacht sich eine unsägliche Neiddebatte über Größenordnungen von rechtlich unbestritten zustehenden Beträgen. Daher stellt sich berechtigterweise die Frage, welchen Stellenwert solche Diskussionen für die eigenen Entscheidungen, Bewertung und Verhaltensweisen bekommen dürfen.

Die mediale Logik

Wird hier tatsächlich etwas artikuliert, was unsere Kultur und unsere Gesellschaft bewegt? Oder geht es hier um die Steigerung der Auflage beziehungsweise der Klicks?

Aufreger-Themen wie diese verkaufen sich nun einmal gut – selbst dann, wenn es sich wie im Fall Chebli letzten Endes nur um heiße Luft handelt. Oder noch schlimmer: Es erlauben sich Menschen ein Urteil über die Art und Weise, wie und wofür andere Menschen ihr selbst verdientes Geld ausgeben.

Besonders im digitalen Zeitalter verstärken die überhitzten Echokammern solche Debatten zunehmend, so dass die nötigen Differenzierungen und Nuancen in der Diskussion oft verloren gehen.

Der Kulturvergleich als Verteidigungsstrategie

Die Frage nach Erfolg ist auch eine Frage nach Wettbewerb und dem Ansporn sowie der Motivation, sich daran zu beteiligen. Bestleistung sollte auch entsprechend vergütet werden. Erfolge zu haben und Erfolge zeigen zu dürfen, sollte darum auch mit guten Argumenten verteidigt werden.

Wer Erfolge hat, sollte diese auch zeigen dürfen.

Die Diskussion, die sich an der Höhe von Topmanager-Gehältern immer wieder entzündet, ruft aber ebenso stereotype Verteidigungsstrategien auf den Plan, die voller Klischees sind. An dieser Stelle wird sodann der Blick in die USA bemüht, wo der Umgang mit Erfolg und Reichtum sehr viel entspannter sei und auch die Spitzengehälter generell höher.

Fazit: Warum die Frage nach Erfolg und Neid doch wichtig ist

Relevant wird das Thema von Erfolg und Neid im Unternehmen vor allem dann, wenn sie das Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern sowie Kollegen belasten, da diese im schlimmsten Fall demotiviert werden oder das Unternehmen verlassen. Auch in diesem Fall helfen Verweise auf andere Kulturen wenig, sondern Transparenz, klärende Auseinandersetzungen und gegebenenfalls Mediationen.

Insbesondere in Zeiten erhöhter öffentlicher Transparenz rücken die Neiddebatten vermehrt in unser Bewusstsein. Insofern lohnt es sich, sich kommunikativ auf solche Situationen vorzubereiten. Über die eigentliche Bedeutung des Themas darf aber die zugrundeliegende Logik der Berichterstattung nicht hinwegtäuschen. Repräsentation ist eine der zentralen Aufgaben von Führungskräften – die eigenen Erfolge sollten darum auch selbstbewusst und selbstverständlich gezeigt werden dürfen. Aber wie in allen anderen Situationen auch: immer wohldosiert und nicht grenzenlos übertrieben.

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Claus Verfürth

Claus Verfürth

Claus Verfürth ist Managing Director und Partner bei The Boardroom, dem von Rundstedt Beratungsbereich für Top-Manager.

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