Die richtige Antwort (Teil II)

Vorstellungsgespräche bei einem freiwilligen Ausstieg

Die richtige Antwort (Teil II)

1024 683 Claus Verfürth

Spätestens wenn der klingelnde Wecker am Morgen von einem Unwohlsein in der Magengrube begleitet wird, stellen sich auch Topmanager die Frage, ob ihr jetziger Arbeitsplatz noch der Richtige für sie ist. Die Entscheidung zu einer freiwilligen Kündigung ist dennoch selten leicht getroffen und fast immer ausgelöst von negativen Erfahrungen.

Kommen Ihnen Gefühle wie Unzufriedenheit und Frust gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern auch bekannt vor? Oder haben Sie schon länger das Gefühl, in Ihrer derzeitigen Position auf der Stelle zu treten, obwohl mehr in Ihnen steckt? Dann wird es spätestens jetzt Zeit, sich nach einer neuen Stelle und/oder einem neuen Unternehmen umzuschauen – Ihre Beweggründe sind dabei im Vorstellungsgespräch aber so vielfältig wie unwichtig, denn die Vergangenheit kümmert potentielle neue Arbeitgeber eher wenig. Mein Ratschlag ist daher: Lassen Sie im Vorstellungsgespräch die Vergangenheit ruhen.

#Lebenslauf allein reicht nicht: Auch im #Gespräch muss man überzeugen, wenn man die neue #Anstellung haben möchte.

Ein beeindruckender Lebenslauf ist nicht alles.

Je höher die zu besetzende Position in der Hierarchie steht, desto bedeutsamer ist die persönliche Passung zwischen dem Executive und seinen Gesprächspartnern. Die fachliche Eignung wird Ihnen praktisch schon unterstellt, sonst säßen Sie nicht am Gesprächstisch.

Doch gerade Senior Executives unterschätzen oftmals das Kandidatengespräch im Besetzungsprozess. Viele glauben, dass es ausreicht, seinen Lebenslauf zu schicken, denn: Da steht ja alles drin. Dabei ist es wichtig, sich auch in einem persönlichen Gespräch gut zu positionieren, wenn man eine reale Chance haben will.

Ein absolutes No-Go im Vorstellungsgespräch

Auch wenn die Beweggründe Ihres Jobwechsels zunächst primär in der Intention liegen, Ihren alten Arbeitgeber zu verlassen, sollten Sie tunlichst vermeiden, diesen Eindruck im Kandidatengespräch entstehen zu lassen. Berüchtigt sind in diesem Zusammenhang Aussagen von Kandidaten, die schlecht über ihren aktuellen Arbeitgeber sprechen oder die momentane Situation dort als unerträglich darstellen.

Erst kürzlich berichtete ein Kandidat, dass er die ständigen Veränderungen bei seinem bisherigen Arbeitgeber nicht mehr mitmachen wolle und sich aus diesem Grund etwas Neues suche. In Zeiten ständiger Veränderung in allen Unternehmen ist dies sicher nicht die geschickteste Aussage.

Wo liegen Ihre Stärken und wie verkaufen Sie diese?

In einem Vorstellungsgespräch für eine Position in einem anderen Unternehmen kommt es deshalb vor allem auf eins an: Sie müssen Ihrem Gegenüber klarmachen können, dass gerade Sie für das Unternehmen einen Mehrwert darstellen und Ihre Kompetenzen und Skills genau zu den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Unternehmens passen.

Üblicherweise sieht sich ein Unternehmen, welches eine vakante Position zu besetzen hat, mit einem Problem konfrontiert, das zu lösen Ihre Aufgabe sein soll. Die Erwartung seitens des Unternehmens an Sie ist also, dass Sie sich bereits in der Vergangenheit mit einem solchen Problem auseinandergesetzt haben und Ihre Lösungsansätze auch in einem neuen Umfeld umsetzbar sind.

Damit Ihnen das gelingt, müssen Sie sich also zunächst selbst darüber im Klaren sein, worin die eigenen Stärken genau liegen und auch, welche davon für das Unternehmen von Nutzen sein können.
Um gut vorbereitet ins Kandidatengespräch gehen zu können, ist es lohnenswert sich selbst vorab ein paar Fragen zu stellen:

  • Was waren in meiner Karriere die schwierigsten Herausforderungen, denen ich mich gestellt habe?
  • Wie bin ich konkret dabei vorgegangen?
  • Welche meiner Eigenschaften oder Charakterzüge haben sich dabei als besonders nützlich erwiesen?
  • Welche Herausforderungen könnten im neuen Unternehmen auf mich zukommen und bin ich in der Lage, diese zu lösen?

Ähnlich wie im ersten Teil unserer Reihe „Die richtige Antwort“, rate ich Ihnen auch nach einem freiwilligen Ausstieg in einem Kandidatengespräch, Streitigkeiten und Konflikte mit dem alten Arbeitgeber außen vor zu lassen.

Viel mehr kommt es darauf an dem Gesprächspartner deutlich zu machen, dass Sie die Herausforderung in dem neuen Unternehmen und der neuen Position reizen und nicht, dass Sie unbedingt Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen möchten. Überzeugen Sie ihre Gesprächspartner nicht nur auf fachlicher, sondern vor allem auch auf persönlicher Ebene. Persönliche Passung und übereinstimmende Chemie spielen eine immer größere Rolle, je höher Sie sich in der Hierarchie aufhalten.

Je Höher in der #Hierarchie, desto wichtiger persönliche Passung und übereinstimmende Chemie. #Karriere #Bewerbung

Was Sie im Vorstellungsgespräch berücksichtigen sollten, wenn Sie einen Branchenwechsel anstreben, erfahren Sie im dritten und letzten Teil unserer Reihe. Denn als Senior Executive glaubt man oft, problemlos einen Branchenwechsel realisieren zu können. Die Frage ist aber eher, ob sich Ihr Gesprächspartner dies auch vorstellen kann. Mehr dazu können Sie dann im Mai auf unserem Topmanager Blog lesen.

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Claus Verfürth

Claus Verfürth

Claus Verfürth ist Managing Director und Partner bei The Boardroom, dem von Rundstedt Beratungsbereich für Top-Manager.

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