Die individuelle D&O-Versicherung – Sicherheit für Top-Manager

Die individuelle D&O-Versicherung – Sicherheit für Top-Manager

Die individuelle D&O-Versicherung – Sicherheit für Top-Manager 1024 576 Christoph Arendt

Ob Geschäftsführer, Vorstand oder Aufsichtsrat – für ein Organmitglied ist eine individuelle D&O-Versicherung mehr als sinnvoll. Erfahren Sie, was Sie beim Abschluss einer solchen Eigenversicherung beachten sollten.

Die D&O-Versicherung gehört heutzutage zum Grundrepertoire eines jeden Unternehmens.

Diese Form der Absicherung ist auch dringend nötig. Denn Organmitglieder – sei es ein Geschäftsführer, Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglied – haften mit dem Privatvermögen persönlich und unbegrenzt für eigenes Fehlverhalten und zudem für das Fehlverhalten anderer Mitarbeiter (Organisationsverschulden). Eine einzelne vom Unternehmen abgeschlossene D&O-Versicherung ist jedoch nicht immer ausreichend und birgt nicht selten Risiken für das einzelne Organmitglied.

D&O Versicherung – ein Vertrag zugunsten Dritter

Ein zentraler Punkt der herkömmlichen D&O-Versicherung ist die Charaktereigenschaft eines Versicherungsvertrags zugunsten Dritter. Dies bedeutet konkret, dass das Organmitglied nicht der Vertragspartner, sondern nur die begünstigte versicherte Person ist. Versicherungsnehmer und damit Vertragspartner ist vielmehr das Unternehmen – mit der Folge, dass dieses auch über den Inhalt der D&O-Versicherung entscheiden kann. Daraus ergeben sich folgende Unsicherheiten für die einzelnen Organmitglieder:

Gefahr 1: Verbrauch der Deckungssumme

Als Erstes ist an das Worst-Case-Szenario zu denken: den Verbrauch der Deckungssumme. Regelmäßig fallen auch die Organmitglieder von Tochterunternehmen unter die Eigenschaft als begünstigte versicherte Person, wenn ein Mutterunternehmen eine D&O-Versicherung abgeschlossen hat. Dadurch erhöht sich mitunter das Risiko des Deckungssummenverbrauchs. Dieser Fall tritt ein, wenn Organmitglieder des Tochterunternehmens in der Versicherungsperiode bereits die Absicherung in Anspruch nehmen mussten und die gesamte oder ein Großteil der Deckungssumme dafür verbraucht wurde. Die Folge bei einer Inanspruchnahme eines weiteren Organmitglieds – z.B. dem Vorstand des Mutterunternehmens – ist der mangels (ausreichender) Versicherung schutzlose Zugriff auf das Privatvermögen mit zum Teil verheerenden Folgen, wie die Anmeldung von Privatinsolvenz.

Gefahr 2: Vertragsinhalt ist nicht bekannt

Des Weiteren hat das einzelne Organmitglied als Begünstigter oftmals keine Kenntnisse vom Vertragsinhalt, sodass es Deckungslücken schutzlos ausgesetzt ist – ohne sich dieser erheblichen Gefahr bewusst zu sein.

Gefahr 3: Anfechtung der D&O-Versicherung

Schließlich besteht das Risiko der Anfechtung der D&O-Versicherung, wenn eine andere versicherte Person Erhebliches verschwiegen hat. Dadurch kann der gesamte Versicherungsschutz entfallen. Diese Abhängigkeit vom ordnungsgemäßen Verhalten anderer Personen lässt unnötige und unkontrollierbare Haftungsszenarien mit dem Privatvermögen aufkommen. Auch ein vertraglich vereinbarter Anfechtungsverzicht genügt unter Umständen nicht, da deren Wirksamkeit zweifelhaft ist.

Gefahr 4: Kein Versicherungsabschluss

Zu guter Letzt kommt es sogar vor, dass der Gesellschafter eines Unternehmens der D&O-Versicherung ablehnend gegenübersteht. Mangels gesetzlicher Pflicht zum Abschluss einer D&O-Versicherung neigen manche Gesellschaften dazu, die – im Vergleich zu anderen Versicherungen günstige – Versicherungsprämie einsparen zu wollen, mit der vermeintlichen Begründung „bei uns passiert so etwas nicht“.

Unternehmenspolice vs. persönliche Absicherung

Diese Aufzählung von Gefahren, die eine einzelne D&O-Versicherung für ein Organmitglied hervorruft, ist nicht abschließend. Sie zeigt jedoch klar auf, dass heutzutage ein Vertrauen auf die Unternehmenspolice längst nicht immer ausreichend ist. Das Organmitglied behält insoweit nur die Kontrolle über seine Amtsrisiken, wenn es sich persönlich schützt.

Heutzutage ist ein Vertrauen auf die Unternehmenspolice längst nicht immer ausreichend

Was ist zu beachten bei Abschluss einer individuellen D&O-Versicherung?

  • Suchen Sie nach einer Versicherungsgesellschaft, die nicht zugleich D&O-Versicherer des Unternehmens ist – sei es als (Mit-)Versicherer oder Exzedentenversicherer. Nur so vermeiden Sie mögliche Kumulrisiken und Interessenkonflikte.
  • Achten Sie darauf, dass die private D&O-Versicherung nur subsidiär zur Anwendung kommt, also im Anschluss an oder in Ergänzung zum Versicherungsschutz der Unternehmenspolice. Die persönliche Deckung gelangt folglich immer dann zum Einsatz, wenn die Versicherungsgesellschaft der Unternehmenspolice – aus welchen Gründen auch immer – die Deckung versagt.
  • Ziehen Sie die Möglichkeit in Betracht, die individuelle D&O-Versicherung auf den gesetzlichen D&O-Pflichtselbstbehalt für Vorstände (§ 93 Abs. 2 AktG) zu erweitern. Dann wird eine gemeinsame Deckung mit einer einheitlichen Deckungssumme zur Verfügung gestellt.
  • Als Aufsichtsrat haben Sie die Möglichkeit, die Deckung für mehrere Mandate in verschiedenen Unternehmen über eine einzelne Police zu erweitern.

Bedingungen der D&O-Versicherung

Legen Sie im Rahmen der D&O-Versicherung auf folgende Versicherungsbedingungen wert:

  • Deckungsausschluss nur für Vorsatz
  • vorsorgliche Rechtsberatung in allen Erscheinungsformen
  • uneingeschränkte Rückwärtsversicherung
  • unbegrenzte Nachmeldefrist im Idealfall

Nur auf diesem Wege werden die erhöhten Haftungsrisiken von Organmitgliedern wirtschaftlich erträglich.

Die individuelle D&O-Versicherung schafft Sicherheit ohne blindes Vertrauen auf das Unternehmen.

Autoren:

Maximilian Reidt: Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Howden.

Christoph Arendt: General Counsel bei Howden und Experte für Managerhaftung und D&O-Versicherung.

[Bildnachweis: © shutterstock.com / ra2studio]

Christoph Arendt

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Christoph Arendt ist General Counsel bei Howden und Experte für Managerhaftung und D&O-Versicherung.

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