Umgang mit Investoren und Austausch des Spitzenpersonals

Umgang mit Investoren und Austausch des Spitzenpersonals

Umgang mit Investoren und Austausch des Spitzenpersonals 1024 683 Bernhard Mittasch

Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage kommt es immer häufiger vor, dass Unternehmen und Investoren große Unternehmensteile oder ganze Unternehmen aufkaufen. Eine der Folgen dieser Entwicklung ist die Option, das Spitzenpersonal im Zuge des Aufkaufs oder der Beteiligung neu aufzustellen. So soll ein reibungsloser Start, eine mögliche Neuausrichtung oder die Erweiterung der Wertschöpfungskette gewährleistet werden.

Firmenübernahmen und -käufe werden häufiger. Die entscheidende Frage ist: Was passiert dann mit dem Spitzenpersonal?

Dabei ist der Austausch an der Spitze alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Vielmehr hängt die Zukunft des Topmanagements stark von den Motiven ab, die hinter einer Investition stehen. In den meisten Fällen wird nicht das gesamte Management ausgetauscht. Wollen Investoren sich die Finanzhoheit sichern, genügt es oft den CFO auszutauschen. Insbesondere Positionen mit hoher Fachexpertise wie zum Beispiel die des CTOs und des CIOs sollten selbst bei sogenannten „feindlichen Übernahmen“ unangetastet bleiben.

Kann der CFO auch CTO? Und wer kann am besten CEO?

Über fachliches Wissen und den Wechsel an der Spitze.

Welche Strategie verfolgt ein Investor?

Welche konkreten Auswirkungen Übernahmen und Beteiligungen haben, hängt stark von den Zielen der Investoren ab. Geht es etwa darum, die eigene Wertschöpfungskette zu erweitern, neue Märkte zu erschließen oder die eigene Marktmacht auszubauen oder darum, Know-how und Technologien in das eigene Unternehmen zu holen?

Besonders bei chinesischen Investoren lässt sich häufig die Strategie beobachten, hochentwickelte Technik wie etwa aus dem Bereich Robotik für den chinesischen Markt zu erschließen. Da der Fokus auf der Technologie liegt, bleibt das Management in der Regel unangetastet.

Anders sieht es aus, wenn in Unternehmen investiert wird (oder diese ganz gekauft werden), die sich in einer wirtschaftlich angespannten Situation befinden. In diesen Fällen steht oft die Gewinnmaximierung im Fokus. Sobald die Rentabilität des betroffenen Unternehmens beispielsweise durch eine Neuausrichtung wiederhergestellt ist, wird es gewinnbringend weiterverkauft. In Szenarien wie diesen ist der Austausch des Spitzenpersonals sehr viel wahrscheinlicher.

Die Stärke der Einflussmöglichkeiten ist entscheidend

Gerade Investitionen aus dem Bereich Private Equity sind nicht selten mit dem Ziel verknüpft, starken Einfluss auf das Management auszuüben. Aber auch hier sind große Unterschiede zwischen Finanzinvestoren zu verzeichnen. Dabei ist der Zustand, in dem sich ein Unternehmen befindet, ausschlaggebend. Sollen bestimmte Prozesse wie Personalabbau forciert werden, ist es nicht unüblich, in den ersten Monaten Interims-Manager für diese Aufgaben bis zum Wiederverkauf einzusetzen. Bei Firmen, die ohnehin wirtschaftlich gut aufgestellt sind, sollte das Spitzenpersonal jedoch möglichst nicht ausgetauscht werden.

Davon unterscheiden sich Fälle, bei denen lediglich Unternehmensteile oder Firmenbeteiligungen gekauft werden, wie dies kürzlich bei einem Hersteller aus der Automobilbranche zu beobachten war. Obwohl es sich um die größte Beteiligung des Autobauers handelte, verfügte der Investor über wenig direkten Einfluss im Management.

Wie sollten sich Topmanager bei einer Übernahme verhalten?

Insbesondere bei einer „feindlichen Übernahme“ ist die Zukunft einer weiteren Zusammenarbeit mit der obersten Management-Ebene absehbar. Sollten sich alle Abwehrmaßnahmen als aussichtslos abzeichnen, ist klar, dass es in Zukunft schwierig sein wird, sich in die Augen zu sehen. Zeichnen sich Vorgänge wie diese ab, ist es ratsam, sich die Frage zu stellen, ob und welche neuen Aufgaben infrage kommen, um nötigenfalls die eigene Souveränität zu wahren.

Doch auch in Fällen wie diesen ist es empfehlenswert, zunächst die Situation klar zu analysieren. Zum einen sollten die eigenen Bemühungen kein falsches Signal an die Mitarbeiter aussenden. Zum anderen laufen Firmenübernahmen nicht immer gleich ab: Bei Übernahmen durch Unternehmen aus dem asiatischen Raum sind Einigungen mit dem Betriebsrat und dem Management eher die Norm. Bei Übernahmen durch Private-Equity-Unternehmen ist hingegen zu beobachten, dass bereits im Vorfeld versucht wird, Einfluss auf das Management und den Aufsichtsrat auszuüben.

Auswirkungen von Übernahmen auf den C-Level-Bereich

Auch wenn eine Übernahme erst einmal vollzogen ist, ist die Gefahr des Austausches an der Spitze nicht unbedingt gebannt. So kann ein Austausch oder ein Wechsel dann Sinn machen, wenn Firmen stärker in den neuen Konzern integriert werden. Spannungsreich sind auch Übergänge von kleineren (familiengeführten) Unternehmen, die in Konzernen aufgehen, die ein Vielfaches an Mitarbeitern haben. Dort unterscheidet sich die Arbeitsorganisation und das Management zum Teil erheblich, so dass hier die Kulturunterschiede letzten Endes zu groß sein können.

Beratungsangebote gibt es für Topmanager

Viele Manager warten im Fall einer Übernahme erst einmal ab, um zu sehen, wie sich eine Situation entwickelt. Ich halte es für ratsam, die eigene Position und Zukunft so schnell wie möglich für sich selbst festzulegen. Je besser Führungskräfte einschätzen können, ob die eigene Position gefährdet ist oder nicht, desto früher können sie über mögliche Optionen nachdenken. Der Balanceakt besteht darin, die aktuellen Verhandlungen zunächst abzuschließen und die eigenen Überlegungen nicht frühzeitig nach außen dringen zu lassen.

Im Fall von Übernahmen oder Beteiligungen ist es für Topmanager essentiell, die Situation richtig einzuschätzen.

In schwierigen Situationen können Coaching-Angebote hilfreich sein, um sich mehrere Meinungen einzuholen, die aktuelle Sachlage transparent zu machen und Optionen aufzumachen. Auch die Angebote von The Boardroom unterstützen Sie dabei, frühzeitig Ihre eigene Karriereplanung abzuklären. Eine vorbereitende Maßnahme dabei ist die genaue Analyse der Situation: Wer ist der neue Investor? Welche Ziele werden kurz-mittelfristig verfolgt? Welche Optionen habe ich? Mit wem im Netzwerk kann ich mich austauschen?

Firmenübernahmen können eine Karrierechance sein

Nicht zuletzt können Übernahmen oder Fusionen auch eine Karrierechance darstellen. Allerdings hängt dies stark von der Größe der betroffenen Unternehmen ab. Fusionieren etwa zwei gleich große Unternehmen, sind viele Positionen schlicht doppelt vorhanden und es wird Redundanzen geben. Geht jedoch ein kleineres Unternehmen in einem größeren auf, besteht die Option zum Divisionsleiter aufzusteigen oder auf andere Weise die Karrierechancen zu verbessern. Auch dabei ist es entscheidend, dass sich Führungskräfte entsprechend vorbereiten und die Situation klar analysieren.

[Bildnachweis: © iStock – cerro_photography]

Bernhard Mittasch

Bernhard Mittasch

Bernhard Mittasch ist Director Senior Relations bei The Boardroom, dem von Rundstedt Beratungsbereich für Top-Manager.

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